Umverteilen Macht Glück

Eigentlich heißt das Thema des gerade vom 24.-26.6.13 an der TU in Berlin stattfindenden Kongresses ja „Umverteilen Macht Gerechtigkeit„, aber die Formulierung mit dem Glück fasst den Eröffnungsvortrag von Richard Wilkinson ganz gut zusammen. Er hat in einer empirischen Studie aufgezeigt, dass wesentliche Faktoren der Lebensqualität in den reicheren Ländern durch eine weitere Steigerung des Wohlstands (BIP) kaum mehr gesteigert werden können, wohl aber – und zwar beträchtlich – durch eine gleichmäßigere Einkommensverteilung.
Zu diesen Faktoren gehören Lebenserwartung, das Wohlbefinden von Kindern, Morde, Klimaschädigung, die Anzahl der Strafgefangenen, Drogenprobleme, Teenagerschwangerschaften, Bildungsmöglichkeiten, das wechselseitige Vertrauen und die soziale Mobilität. In all diesen Bereichen haben die Länder mit der höchsten Einkommensspreizung (USA, UK etc.) die schlechtesten Werte unter den relativ reichen Ländern, ungeachtet ihres größeren Wohlstands. Positiv schneiden die skandinavischen Staaten und Japan ab. Auch bei den anderen Staaten erweist sich dieser Zusammenhang als hochsignifikant. Interessant und wichtig ist noch, dass die Vorteile gleichmäßigerer Einkommensverteilung nicht nur den Armen zugute kommen. Sie sind dort zwar am starksten, aber sie reichen bis in die höchsten Einkommensgruppen und sorgen selbst dort für eine Besserstellung gegenüber ungleicheren Gesellschaften.
Natürlich wird damit etwas bewiesen, was denkenden Menschen aus Einsicht und Erfahrung schon seit längerem klar ist. Aber Belege können vielleicht ja auch die übrigen überzeugen, die Neoliberalen auf der einen Seite, die alternativ gesonnenen FreundInnen auf der anderen Seite, denen Umverteilung eigentlich ein zu profanes Thema ist, weil sie mit dem gegenwärtigen Denken nicht radikal genug bricht. Sie übersehen nur bisweilen, dass dieses durchaus wünschenswerte Umdenken die unterschiedlichen sozialen Ausgangspunkte mitdenken sollte. Wenn man das tut, erweist sich Umverteilung als wesentlich auch für weiter reichende Ansätze.
Was kann man tun? Prinzipiell gibt es zwei Wege:
Die Einkommensunterschiede gering halten. Das ist z.B. der Weg Japans. Oder die Unterschiede durch Abgaben verringern, in der Regel durch irgendwelche Steuern. Diesen Weg geht z.B. Skandinavien.
In den letzten 20 Jahren sind die Einkommensunterschiede weltweit und in Deutschland enorm gewachsen und reichen heute bis zu 1:500 innerhalb eines Betriebs. In der Schweiz fordern die Jusos eine Beschränkung auf 1:12. Aristoteles hatte nach meiner Erinnerung nur 1:4 für moralisch tragbar gehalten.
Neben der Wiedereinführung eines höheren Einkommensteuerspitzensatzes sind Vermögenssteuer und/oder Vermögensabgabe (auch dazu gab es einen Workshop) Optionen, der Entwicklung zu mehr Ungleichheit gegenzusteuern. Die Lage in der Bundesrepublik sieht übrigens so aus, dass wir vor zwanzig oder dreißig Jahren eine vergleichsweise egalitäre Gesellschaft waren, allerdings seither mit einem dramatischen und dramatisch zunehmenden Trend zu mehr Ungleichheit.im Moment nähern wir uns von unten dem OECD-Durchschnitt und werden ihn wohl bald überschritten haben. Es sei denn, wir tun was dagegen.

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