Abschied vom Süden

Abschied vom Süden – so betitelte die Zeit im Juli einen Artikel zur Wirtschaftskrise im südlichen Europa und weckte damit die Assoziation, dass diese jetzt von der Krise betroffenen, und darob auch noch gescholtenen, Länder doch unsere Lieblinge waren und wohl teils auch noch sind. Eine Vielzahl von uns verbringt dort ihren Urlaub und, mehr als das, importierte von dort Ideen eines gelingenden Lebens (die ja eigentlich zu einem guten Urlaub gehören). Der ansonsten durchaus ordentliche Artikel geht wenig darauf ein. Allerdings fand sich gleichfalls im letzten Sommer in der Süddeutschen ein ähnlicher Artikel, “der Süden” überschrieben. Darin wird zum einen erinnert an die Vielzahl der Ideen und Errungenschaften, die wir aus dem Süden Europas übernommen haben, zum anderen an die Freundlichkeit, Offenheit und Wärme des Völker verbindenden europäischen Urlaubssommers, die jetzt der Kälte des Ressentiments und der Spardiktatur gewichen sind.
Nicht nur individuelle Träume sind dort entstanden, auch die Ideen alternativen und solidarischen Lebens wurden in diesen Zusammenhängen angeregt und gefördert. Die Anarchisten und die Lebensreformer vom Monte Verita zog es nicht zufällig auf die Alpensüdseite und nicht wenige der Initiativen der Siebzigerjahre hatten dort Wurzeln. Sogar die heute zu Recht belächelte „Toskana-Fraktion“ begann ja mit dem richtigen Gedanken, dass gesellschaftliche Arbeit und politischer Kampf mit der Idee eines guten Lebens ergänzt werden muss. Und gerade jetzt entstehen in Europas Süden, besonderes natürlich in Griechenland, vielfältige Ansätze solidarischen Wirtschaftens. Für mich ist es keine Frage, dass die europäische Krise an ihren Wurzeln in Wirtschaft und Finanzmärkten bekämpft werden muss, Daneben können aber Formen direkterer Solidarität mit und Anteilnahme an diesen Projekten stehen. Dies wäre nicht nur eine Form der Unterstützung, sondern gleichzeitig ein Feld der Erfahrungen, um eigene alternative Lebens- und Wirtschaftsformen zu erproben. In einem griechischen Manifest heißt es, Griechenland sei “die Labormaus der neoliberalen Sparoffensive, aber auch ein Labor des Widerstands” – und hoffentlich auch einer neuen alternativen und solidarischen Zukunft.

2012/11/8-11 Firenze 10+10

Grob gesprochen fand vom 7.-9. November 2012 in der Fortezza da Basso in Florenz ein Europäisches Sozialforum statt. Genau betrachtet war es eigentlich keines, da nicht die einschlägigen europäischen Organisationen dazu aufgerufen hatten. Stattdessen haben die Italiener die Initiative ergriffen und zu einem Treffen eingeladen, das einesteils des ersten europäischen Sozialforums 2002 in Florenz gedenken, zum anderen eine Initiative für die kommenden 10 Jahre darstellen sollte. daher der Titel Firenze 10&10. Mehr als 4000 Menschen aus 28 Ländern und 200 Organisationen folgten der Einladung.

Weitere Informationen, auch zu Anschlussaktionen, finden sich hier, wobei ich den Aufruf zum AlterSummit in Athen hervorheben will.

Der Erfolg ist gleichwohl als gemischt zu betrachten, besonders wenn man ihn an dem Abschlussdokument bemisst. Inhaltlich ist es dürftig. Darüber zumindest bestand allgemeine Einigkeit. In dem natürlich unter Zeitdruck stehenden Redaktionsprozess waren aber trotz großer Anstrengung keine weitergehenden inhaltlichen Einigungen möglich. Hier muss auch über das in unseren Kreisen hochgehaltene und in vielen Bereichen auch erfolgreiche Konsensprinzip nachgedacht werden.

Uneingeschränkt positiv zu bewerten ist aber die breite und fruchtbare Diskussion auch außerhalb der offiziellen Arbeitskreise zwischen verschiedenen Ländern, unterschiedlichen Organisationen und politischen Richtungen (in einem gewissen Spektrum versteht sich 😉

Für mich war am wichtigsten ein Treffen, das mit „Resistance and Solidarity networks in a Europe of Crisis“ überschrieben war und sich vor allem mit der Situation in Griechenland befasste. Eine Gruppe griechischer Frauen berichtete und übergab einen Aufruf, den ich in der Übersetzung von Giuliana anfüge.

Plan B

Die Konferenz der Linken interessierte mich, weil sie, wie die ganze Plan-B-Initiative, sich genau das Thema stellt, das uns auch in einem Arbeitskreis des Instituts Solidarische Moderne beschäftigt: die Perspektiven eines sozial-ökologischen Umbaus auszuloten.
Insgesamt fand ich die Veranstaltung anregend und fruchtbar, habe dabei aber den derzeit eher als altmodisch geltenden Einzelvorträgen mehr Perspektiven entnehmen können als den Plena und Arbeitsgruppen (WorldCafe).

Gregor Gysi, der ja viele Reden halten muss, brachte gleichwohl eine ordentliche Skizze des linken Projektes für einen ökologisch-sozialen Umbau zuwege.
Vor allem war ich aber angetan von den Perspektiven, die Nicole Bullard mit „Einige Gedanken darüber, wie die deutsche Linke die Welt verändern (helfen) kann“ eröffnete und von den Überlegungen, insbesondere zu Krise und Kapitalismus, von Raoul Zelik.
Katja Kipping hatte keine so bahnbrechenden Neuigkeiten, aber sie punktete wie immer mit Charme und, besonders bei mir, mit dem Bekenntnis, dass Politiker zumindest gelegentlich auch fiktionale Texte zur Orientierung zu Hilfe nehmen sollten.

Common Grounds oder die Wiederkehr der Allmenden

 Auswege aus der kapitalistischen Misere?

von Elisabeth Meyer-Renschhausen

Ist die Botschaft der Occupay-Bewegung im Mainstream angekommen? Oder der Ruf „Reclaim the Commons“ der Umweltbewegungen für ein Menschenrecht auf sauberes Wasser, eigenes Saatgut, Zugang zu Grund und Boden überall auf der Welt?

Common Ground. So heißt die aktuelle Architektur-Biennale in Venedig. Öffentlicher Raum. Gemeinsames Erbe. Gemeine Gründe. Titelgeber war ein Gespräch mit dem Stadtsoziologen Richard Sennett schreibt der Kurator der Biennale David Chipperfeld, Hamburg, im Katalog. Globalisierungstheoretikerinnen wie Saskia Sassen oder Margit Mayer waren ebenfalls Ideengeberinnnen.

Common Ground = das bedeutet sowohl gemeinsames Wissenserbe als auch öffentliche Plätze. Common Ground = das sind überkommene Traditionen. Öffentliche Räume, wo wir uns treffen und reden wie Plätze, Parks, Straßen. Und tradiertes Wissen, „Wissensallmenden“. Weiterlesen „Common Grounds oder die Wiederkehr der Allmenden“

Gleich eine schlechte Nachricht

Viele in der Welt der Solidarität halten ja wenig von Parteienpolitik. Sie könnten auf diese Nachricht also auch verzichten. Aber ich halte sie für wichtig: Peer Steinbrück ist Kanzlerkandidat der SPD. Und das ist wirklich eine schlechte Nachricht – wenn man nicht sehr dialektisch denkt 😉

Einen ersten Hinweis gibt dieser Artikel von Heribert Prantl aus der Süddeutschen Zeitung, die sich ja ansonsten seit langem nicht mehr durch fortschrittliche ökonomische Postitionen auszeichnet.