Neue Allmenden

Umwelt und Wissen als (sehr unterschiedliche) neue Allmenden

Volkswirtschaftlich sind Allmendegüter unreine öffentliche Güter, Anders als bei reinen ist Rivalität gegeben, d. h. die Nutzung durch einen ver- oder behindert die Nutzung durch andere, aber ein Ausschluss von der Nutzung ist nicht möglich. Freilich ist das eine schematische Einordnung in eine primär marktwirtschaftliche Begrifflichkeit, die dem Allmendegedanken so fremd ist wie dieser ihr. Ostroms Ergebnis kann man so lesen, dass die existierenden Allmenden wohl Ausschluss oder Einschränkung kennen und deshalb eben keine Allmendegüter im ökonomischen Sinn sind.

Ein ökonomisches Konzept, das der historischen Allmende eher  gerecht wird, ist das des Bodens. Vor allem ältere Wirtschaftstheorien nennen als Produktionsfaktor neben Arbeit und Kapital den Boden. Der Begriff des Bodens ist aber durchaus auch heute – wieder – interessant, zeichnet er sich doch in Abhebung von Kapital und Arbeit durch seine prinzipielle Begrenztheit und Unvermehrbarkeit aus und schlägt damit eine Brücke zu den, in der Wirtschaftswissenschaft lange ausgeblendeten, Grenzen des Wachstums in ökologischer und anderer Hinsicht. Eben diese Begrenztheit macht die Allmende zur geeigneten Metapher für die Umwelt und den Umgang mit ihr. Deshalb werden heute neben Almweiden, Fischgewässern, Wäldern und Deichen auch Luft und Wasser als Allmenden gesehen, von denen früher nie vorstellbar war, dass sie knappe Güter werden könnten.

Unvermehrbarkeit ist es nun gerade nicht, was die Güter der anderen neuen Allmende, der Wissensallmende (Creative Commons) auszeichnet. . Für sie gilt umgekehrt, dass sie, wenn sie einmal geschaffen sind, mit großer Leichtigkeit vermehrt bzw. kopiert werden können. Damit entfällt letztlich auch die Rivalität. Anders als beim Apfel kann ein Buch, oder seine billige elektronische Kopie von mehreren gelesen werden. Hier ist  gerade die in Zeiten der Digitalisierung prinzipiell unbegrenzte Vermehrbarkeit Anlass, den Begriff der Allmende auf diesen Bereich zu übertragen, nämlich unbegrezten Zugang  für Freie Software, Creative Commons (Künstlerische und wissenschaftliche Texte, Musik, bildende Kunst), Saatgut und Medikamente zu fordern und für ihre Produzenten andere Entgeltformen zu entwickeln.  Anders als der Name Urheberechte suggeriert, kommen diese gerade in den Zeiten der grenzenlosen Kopiermöglichkeiten in der Regel nicht den Urhebern, sondern großen Konzernen zugute. Wie die traditionelle Allmende geht auch die Bewegung für freie Software von dem Ineinandergreifen von Privatem und Gemeinem aus. Insbesondere die Infrastruktur (Betriebssysteme, Programmiersprachen) sollen frei zugänglich sein, ohne dass es verwehrt ist, diese für private Zwecke auch kommerziell zu nutzen.

So steht zu hoffen, dass die Fähigkeit zur Koexistenz mit anderen Wirtschaftsformen der Allmende in neuen Formen das Weiterleben sichert – und sie dadurch auch uns.

3 Kommentare zu „Neue Allmenden“

  1. Dankeschön für diese fundierte Zusammenfassung.

    Von der Beschäftigung mit den aktuellen Planungen für das ehemalige Flugfeld in Berlin Tempelhof ist der Weg nicht weit zu der Einsicht, dass Grund und Boden keine nachwachsenden Resourcen sind. In dieser Hinsicht fand ich die (mir neuen) Informationen über Allmenden sehr hilfreich.

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